4 Gradierwerke in Baden-Württemberg: Salzluft im Südwesten.

Gradierwerke in Baden-Württemberg: zwischen Schwarzwald und Kurpark

Gradierwerk mit Schwarzdornwand, Sole rieselt herab

Wer neben einem Gradierwerk steht, hört meist zuerst das Wasser. Sole läuft über dichtes Reisig, verteilt sich auf einer großen Oberfläche und sammelt sich anschließend wieder unterhalb der Konstruktion. Dabei verdunstet ein Teil des Wassers. Durch Rieseln, Spritzen und Luftbewegung können zudem feine Soletröpfchen in die unmittelbare Umgebung gelangen.

In Baden-Württemberg lässt sich dieses Prinzip an mehreren Orten erleben. Bad Rappenau und Bad Dürrheim besitzen frei zugängliche Gradierwerke beziehungsweise öffentlich erreichbare Bereiche. In der Caracalla Therme in Baden-Baden befindet sich ein Gradierwerk innerhalb eines Sole-Inhalationsraums. Ein weiterer Standort befand sich im Revital Bad in St. Blasien-Menzenschwand, dessen Bade- und Saunabetrieb allerdings seit November 2025 geschlossen ist.

Die Anlagen erzählen dabei unterschiedliche Geschichten. Manche erinnern unmittelbar an die frühere Salzgewinnung, andere wurden erst in jüngerer Zeit als Teil von Kurparks und Thermenanlagen errichtet.

Bad Rappenau: Gradierwerk im Salinenpark

Bad Rappenau im Kraichgau ist eng mit der Geschichte der Soleförderung verbunden. Am südlichen Ende des Salinenparks steht heute ein rund 30 Meter langes und mehr als acht Meter hohes Gradierwerk. Über dicht gepacktes Schlehenreisig läuft Bad Rappenauer Sole.

Die heutige Anlage entstand 2007 und 2008 anlässlich der Landesgartenschau. Sie ist frei zugänglich. Rund 5.500 Büschel Schlehenreisig waren für die sogenannte Bedornung nötig, also für die Füllung der Holzkonstruktion. Sole, die nicht verdunstet, sammelt sich in einer Auffangwanne und wird mit einer Pumpe wieder nach oben befördert.

Direkt am Gradierwerk liegen außerdem historische Einrichtungen der Bad Rappenauer Soleförderung. Bohrhäuser, Förderturm und Tretrad erinnern daran, dass die Solegeschichte des Ortes bis ins Jahr 1822 zurückreicht.

Das Schlehenreisig hält nicht unbegrenzt. Nach Angaben der Stadt muss es abhängig von der verwendeten Sole ungefähr alle 15 bis 25 Jahre erneuert werden. Mit der Zeit entstehen auf dem Reisig mineralische Ablagerungen. Entscheidend für die historische Funktion eines Gradierwerks war allerdings ein anderer Vorgang: Durch die Verdunstung von Wasser stieg die Salzkonzentration der verbleibenden Sole.

Bad Dürrheim: Gradierwerk zwischen Solemar und Kurpark

Auch Bad Dürrheim im Schwarzwald-Baar-Kreis besitzt eine lange Salzgeschichte. 1822 wurde hier ein unterirdisches Salzlager erschlossen. Ab 1823 förderte man Sole und gewann daraus in der Saline Speisesalz. Die geförderte Sole erreichte einen Salzgehalt von rund 27 Prozent und war damit bereits nahezu gesättigt.

Das heutige Gradierwerk entstand wesentlich später. Es gehört zur 2014 eröffneten Salinenwelt rund um das Wellness- und Gesundheitszentrum Solemar an der Huberstraße 8. Die Anlage verbindet den Außenbereich des Solemars mit dem angrenzenden Kurpark.

Das Gradierwerk zieht sich durch unterschiedliche Bereiche der Anlage. Vom Kurpark aus ist ein Teil frei zugänglich. Wer nur das Gradierwerk besuchen möchte, benötigt deshalb nicht automatisch eine Eintrittskarte für Therme oder Sauna.

Das macht Bad Dürrheim auch technisch interessant. Das historische Salzvorkommen, die frühere Saline und das moderne Gradierwerk liegen zeitlich weit auseinander, greifen aber dasselbe regionale Thema auf: die lange Verbindung des Ortes mit Salz und Sole.

St. Blasien-Menzenschwand: ein ehemaliger Gradierwerk-Standort

Auch im Revital Bad in St. Blasien-Menzenschwand befand sich ein Gradierwerk. Die Anlage lag in der Friedrichsruhe 13 im Hochschwarzwald und war Teil des Bade- und Saunabereichs.

Für einen aktuellen Ausflug ist dieser Standort derzeit jedoch nicht mehr geeignet. Die Stadt St. Blasien beschloss 2025, den Betrieb des Revital Bads einzustellen. Wegen der damaligen Personalsituation schlossen Bad und Sauna bereits zum 1. November 2025.

Der Standort sollte deshalb nicht mehr gemeinsam mit Bad Rappenau, Bad Dürrheim und Baden-Baden als regulär geöffnetes Ausflugsziel aufgeführt werden. Er bleibt dennoch ein Beispiel dafür, wie Gradierwerke auch in moderne Bade- und Wellnessanlagen integriert wurden.

Wer sich für die weitere Entwicklung des ehemaligen Revital Bads interessiert, sollte vor einer Fahrt den aktuellen Stand bei der Stadt St. Blasien prüfen.

Baden-Baden: Gradierwerk in der Caracalla Therme

Baden-Baden blickt auf eine Badetradition zurück, die bis in die Römerzeit reicht. Die Caracalla Therme am Römerplatz 1 knüpft an diese Geschichte mit einer modernen Thermalbadelandschaft an.

Im Innenbereich befindet sich ein Sole-Inhalationsraum. Dort tropft Natursole über ein Gradierwerk aus Schwarzdornreisig. Anders als bei den frei zugänglichen Anlagen in Bad Rappenau und Bad Dürrheim befindet sich dieses Gradierwerk vollständig innerhalb der Therme und kann deshalb nur mit einem entsprechenden Eintritt genutzt werden.

Die Konstruktion erfüllt dabei einen anderen Zweck als die historischen Gradierwerke der Salzproduktion. In früheren Salinen sollte durch Verdunstung vor allem die Sole konzentriert werden. Das Gradierwerk der Caracalla Therme ist dagegen Bestandteil der heutigen Bade- und Aufenthaltslandschaft.

Baden-Badens Verbindung zur Kurgeschichte beruht vor allem auf seinen Thermalquellen. Schon die Römer nutzten das heiße Thermalwasser des Ortes. Das Gradierwerk ist damit keine erhaltene Anlage einer historischen Salzproduktion, sondern eine moderne Ergänzung der Therme.

Drei aktuelle Standorte, ein ehemaliger Standort

Gradierwerk am Ufer eines Sees, Bäume im Hintergrund

Bad Rappenau bietet ein frei zugängliches Gradierwerk mitten im Salinenpark und verbindet die heutige Anlage unmittelbar mit der Geschichte der örtlichen Soleförderung.

In Bad Dürrheim trifft die Salzgeschichte des 19. Jahrhunderts auf ein modernes Gradierwerk, das sich zwischen Solemar und Kurpark erstreckt. Teile davon lassen sich ohne Thermeneintritt besuchen.

Die Caracalla Therme in Baden-Baden zeigt eine andere Variante. Dort befindet sich das Gradierwerk innerhalb eines Sole-Inhalationsraums und ist Teil des kostenpflichtigen Thermalbads.

Menzenschwand nimmt inzwischen eine Sonderrolle ein. Das Gradierwerk gehörte zum Revital Bad, dessen Bade- und Saunabetrieb seit November 2025 geschlossen ist. Vor einem möglichen Besuch sollte deshalb immer geprüft werden, ob es Veränderungen am Standort gegeben hat.

Zugang und Kosten

Für einen Besuch der Gradierwerke unterscheiden sich die Voraussetzungen deutlich. Das Gradierwerk im Salinenpark von Bad Rappenau ist frei zugänglich. Auch in Bad Dürrheim kann ein Teil des Gradierwerks vom Kurpark aus ohne Eintritt erreicht werden.

Der Sole-Inhalationsraum mit Gradierwerk in der Caracalla Therme gehört dagegen zur Badelandschaft und setzt einen Thermeneintritt voraus. Da Eintrittspreise und Öffnungszeiten geändert werden können, empfiehlt sich vor der Anreise ein Blick auf die aktuelle Website des jeweiligen Betreibers.

Das ehemalige Revital Bad in Menzenschwand sollte derzeit nicht in eine Kosten- oder Besuchsplanung einbezogen werden, da der reguläre Bade- und Saunabetrieb eingestellt wurde.

Wofür Gradierwerke ursprünglich gebaut wurden

Historische Gradierwerke entstanden nicht als Freizeit- oder Wellnessanlagen. Sie waren Teil der Salzproduktion. Sole wurde nach oben befördert und über große Wände mit dichtem Reisig geleitet. Auf dem Weg nach unten verdunstete ein Teil des Wassers. Dadurch nahm die Salzkonzentration der verbleibenden Sole zu.

Diese konzentriertere Sole gelangte anschließend in die Siedepfannen. Dort musste weniger Wasser durch Erhitzen verdampft werden, wodurch sich der Brennstoffbedarf verringerte. Das Gradierwerk war also eine technische Vorstufe des eigentlichen Salzsiedens. Wie dieses Prinzip funktioniert, erklären wir ausführlicher im Beitrag Gradierwerk für zuhause.

Das Gradierwerk-Prinzip im kleineren Maßstab

Die SalinoVatis Mini-Saline orientiert sich konstruktiv am Grundgedanken historischer Gradierwerke. Eine Pumpe bewegt Sole über eine 3D-gedruckte Struktur aus Bio-PLA und benetzt damit eine große Oberfläche. Beim Modell Aura beträgt die Verdunstungsfläche mehr als 900 cm², beim größeren Modell Vita mehr als 1.100 cm².

Wasser kann an dieser benetzten Oberfläche bei Raumtemperatur verdunsten. Dieses Verfahren wird als Kaltverdunstung bezeichnet. Die Mini-Saline arbeitet dabei nicht mit einer Ultraschallvernebelung.

Mit einem historischen oder öffentlichen Gradierwerk ist das Gerät trotzdem nicht gleichzusetzen. Abmessungen, Solemenge, Luftbewegung und Konstruktion unterscheiden sich deutlich. Gemeinsam ist beiden Systemen, dass Sole über eine vergrößerte Oberfläche geführt wird.

Ein Gradierwerk im Kurpark bleibt deshalb ein eigenes Erlebnis. Wer sich für die technische Umsetzung des Prinzips im kleineren Maßstab interessiert, findet weitere Angaben zur Mini-Saline von SalinoVatis im Shop.

Bad Rappenau, Bad Dürrheim und Baden-Baden zeigen auf unterschiedliche Weise, wie Gradierwerke heute genutzt werden. Gleichzeitig erinnern die Anlagen daran, dass hinter dem charakteristischen Rieseln ursprünglich eine praktische Technik der Salzgewinnung stand.

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Hinweis: Öffnungszeiten, Eintrittspreise und die Zugänglichkeit einzelner Anlagen können sich ändern. Vor einer Anreise empfiehlt sich deshalb die Prüfung der aktuellen Angaben des jeweiligen Betreibers.