Nach dem Tauwetter kommt die Kälte: So schützen Sie Ihre Atemwege vor dem Wetter-Wechsel

Wenn das Wetter Achterbahn fährt – und die Atemwege mitmüssen

Es ist dieser eine Moment, den viele kennen: Morgens noch Frost auf der Windschutzscheibe, mittags plötzlich zehn Grad und Nieselregen, abends wieder Minustemperaturen. Der Januar 2026 zeigt sich von seiner launischsten Seite. Nach den eisigen Weihnachtstagen, die vielerorts Dauerfrost und eine geschlossene Schneedecke brachten, rollt nun eine Warmfront heran – nur um wenige Tage später von der nächsten Kältewelle abgelöst zu werden. Meteorologen sprechen von Polarwirbel-Störungen und Ostwindlagen. Für die meisten Menschen bedeutet das vor allem eines: ständiges Umziehen, mal Winterjacke, mal nur der leichte Mantel.

Was dabei oft vergessen wird: Nicht nur die Garderobe muss sich anpassen. Auch unsere Atemwege stehen unter Dauerstress. Sie reagieren auf jeden Temperaturwechsel, auf jede Veränderung der Luftfeuchtigkeit. Und während wir draußen zwischen Tauwetter und Frost pendeln, herrscht drinnen ein ganz eigenes Klima – eines, das wir selbst erschaffen haben. Mit Heizungen, die mal auf Hochtouren laufen, mal gedrosselt werden. Mit Fenstern, die wir aufreißen, wenn es draußen mild ist, und fest verschließen, sobald die Kälte zurückkehrt.

Dieser Artikel handelt von dem, was zwischen diesen Extremen passiert. Von dem stillen Kampf, den unsere Schleimhäute jeden Tag führen. Und von der Frage, wie wir ihnen dabei helfen können.

Das Wetter im Januar 2026: Ein Wechselbad der Temperaturen

 

Die aktuelle Wetterlage ist selbst für erfahrene Meteorologen ungewöhnlich. Nach einem der kältesten Weihnachtsfeste seit fünfzehn Jahren kam Anfang Januar das große Tauwetter. Temperaturen stiegen mancherorts auf zweistellige Plusgrade, der Schnee verwandelte sich in grauen Matsch. Doch kaum hatten sich die Menschen an die Milde gewöhnt, drehte der Wind. Aus östlichen Richtungen strömt nun wieder kältere Luft heran, und die Prognosen deuten auf eine Rückkehr des Winters hin.

Für den Körper bedeutet das: permanente Anpassung. Die Blutgefäße weiten und verengen sich im Wechsel, der Kreislauf arbeitet auf Hochtouren. Besonders betroffen sind jedoch die Atemwege. Sie sind das Eingangstor für alles, was wir einatmen – und sie müssen die Luft, egal ob eiskalt oder feucht-mild, auf Körpertemperatur bringen, bevor sie in die Lunge gelangt.

Warum Temperaturwechsel die Schleimhäute belasten

Die Nasenschleimhaut ist ein kleines Wunderwerk der Evolution. Sie filtert Staub und Krankheitserreger, befeuchtet die Atemluft und wärmt sie an. All das geschieht in Sekundenbruchteilen, etwa zwanzigtausend Mal am Tag – so oft atmen wir durchschnittlich. Doch dieses System hat seine Grenzen.

Wenn die Außentemperaturen stark schwanken, gerät die Schleimhaut aus dem Gleichgewicht. Bei Kälte verengen sich die Blutgefäße in der Nase, die Durchblutung sinkt, weniger Schleim wird produziert. Die Folge: Die Schleimhaut trocknet aus. Bei Wärme weiten sich die Gefäße wieder, die Schleimproduktion steigt – manchmal überschießend, was zu einer laufenden Nase führt. Dieser ständige Wechsel ist wie ein Training, das nie aufhört. Irgendwann ermüdet das System.

Hinzu kommt ein zweiter Faktor: die Heizungsluft. Sobald draußen die Temperaturen sinken, drehen wir drinnen die Heizung auf. Die warme Luft, die aus den Heizkörpern strömt, ist extrem trocken. Sie entzieht der Raumluft Feuchtigkeit und damit auch unseren Schleimhäuten. Die ideale Luftfeuchtigkeit in Innenräumen liegt bei vierzig bis sechzig Prozent. Im Winter sinkt sie oft auf zwanzig Prozent oder weniger – ein Wert, der sonst nur in Wüstenregionen vorkommt.

Trockene Heizungsluft: Die unterschätzte Gefahr

 

Es ist paradox: Wir heizen, um uns vor der Kälte zu schützen – und schaden dabei unserer Gesundheit. Die trockene Heizungsluft greift nicht nur die Nasenschleimhaut an, sondern auch die Bronchien, den Rachen und sogar die Haut. Die feinen Flimmerhärchen, die unsere Atemwege auskleiden und wie ein Förderband Schmutz und Erreger nach draußen transportieren, werden träge. Der Schutzfilm aus Schleim, der normalerweise Viren und Bakterien abfängt, wird dünn und löchrig.

Die Folgen sind messbar. Studien zeigen, dass Erkältungsviren bei niedriger Luftfeuchtigkeit länger in der Luft schweben und ihre Infektiosität behalten. Gleichzeitig sind die Schleimhäute weniger widerstandsfähig. Es ist, als würde man die Zugbrücke einer Burg herunterfahren und gleichzeitig die Wachen nach Hause schicken.

Wer besonders gefährdet ist

Nicht jeder reagiert gleich empfindlich auf trockene Luft und Temperaturwechsel. Besonders betroffen sind Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD. Bei ihnen kann schon ein kleiner Reiz einen Anfall auslösen. Auch Allergiker leiden verstärkt, denn trockene Luft wirbelt Hausstaub und andere Allergene auf, die dann tiefer in die Atemwege eindringen können.

Kinder sind ebenfalls eine Risikogruppe. Ihre Atemwege sind noch kleiner und empfindlicher, ihre Schleimhäute noch nicht vollständig ausgereift. Eltern kennen das Phänomen: Kaum beginnt die Heizperiode, folgt eine Erkältung auf die nächste. Was oft als „Kindergarten-Virus" abgetan wird, hat häufig auch mit dem Raumklima zu tun.

Und dann sind da noch die älteren Menschen. Mit zunehmendem Alter lässt die Funktion der schleimproduzierenden Zellen nach. Die Selbstreinigung der Atemwege funktioniert nicht mehr so effizient. Trockene Luft verstärkt dieses Problem.

Die Schleimhäute als erste Verteidigungslinie

Um zu verstehen, warum Luftfeuchtigkeit so wichtig ist, lohnt ein Blick auf die Funktionsweise unserer Atemwege. Die Nasenschleimhaut ist mit Millionen winziger Flimmerhärchen bedeckt, die sich in koordinierten Wellenbewegungen bewegen – etwa tausend Mal pro Minute. Sie transportieren einen dünnen Film aus Schleim, in dem sich eingeatmete Partikel, Bakterien und Viren verfangen, in Richtung Rachen. Von dort werden die Eindringlinge entweder geschluckt und im Magen unschädlich gemacht oder ausgehustet.

Dieses System, die sogenannte mukoziliäre Clearance, funktioniert nur, wenn der Schleim die richtige Konsistenz hat – nicht zu dünn, nicht zu zäh. Trocknet die Schleimhaut aus, wird der Schleim dickflüssig und klebt fest. Die Flimmerhärchen können ihn nicht mehr bewegen. Krankheitserreger, die eigentlich längst abtransportiert sein sollten, bleiben liegen und können sich vermehren.

Wenn der Schutzschild bröckelt

Die Auswirkungen spüren viele Menschen als erstes in der Nase. Sie fängt an zu jucken, zu brennen. Es bilden sich Krusten und Borken. Manche bekommen Nasenbluten, weil die ausgetrocknete Schleimhaut rissig wird. Mediziner nennen diesen Zustand Rhinitis sicca – die trockene Nasenentzündung. Sie ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne, aber sie öffnet Krankheiten die Tür.

Auch der Rachen leidet. Das Kratzen im Hals, das viele als erstes Anzeichen einer Erkältung deuten, ist oft nichts anderes als eine gereizte, ausgetrocknete Schleimhaut. Erst wenn Viren oder Bakterien diese geschwächte Barriere überwunden haben, beginnt die eigentliche Infektion.

Praktische Maßnahmen für ein gesundes Raumklima

 

Die gute Nachricht: Gegen trockene Heizungsluft lässt sich etwas tun. Und es sind oft die einfachen Dinge, die den größten Unterschied machen.

Regelmäßiges Stoßlüften ist der erste Schritt. Drei- bis fünfmal am Tag für jeweils fünf Minuten die Fenster weit öffnen – das sorgt für Frischluft und reguliert die Feuchtigkeit. Wichtig dabei: Die Heizung während des Lüftens herunterdrehen, um Energie zu sparen.

Ein Hygrometer, ein einfaches Messgerät für die Luftfeuchtigkeit, gibt Orientierung. Es kostet wenige Euro und zeigt sofort, ob das Raumklima im grünen Bereich liegt oder nicht. Als Faustregel gilt: Unter vierzig Prozent wird es kritisch für die Schleimhäute, über sechzig Prozent steigt das Schimmelrisiko.

Auch die Raumtemperatur spielt eine Rolle. Jedes Grad weniger bedeutet weniger trockene Luft. Zwanzig bis zweiundzwanzig Grad im Wohnbereich, sechzehn bis achtzehn Grad im Schlafzimmer gelten als ideal.

Daneben gibt es bewährte Hausmittel, die helfen können:

  • Wasserschalen auf der Heizung erhöhen die Luftfeuchtigkeit durch Verdunstung

  • Zimmerpflanzen wie Papyrus oder Zyperngras geben über ihre Blätter Feuchtigkeit ab

  • Feuchte Handtücher über dem Wäscheständer wirken wie natürliche Luftbefeuchter

Die Schleimhäute von innen unterstützen

Neben dem Raumklima lässt sich auch direkt etwas für die Atemwege tun. Ausreichend trinken – mindestens eineinhalb bis zwei Liter täglich – hält den Schleim flüssig. Nasenspülungen mit Kochsalzlösung reinigen die Nasenhöhlen und befeuchten die Schleimhaut. Pflegende Nasensprays oder -salben können bei ersten Anzeichen von Trockenheit helfen.

Besonders wirksam ist das Inhalieren mit Salzwasser. Die feinen Salzpartikel legen sich auf die Schleimhäute, binden Feuchtigkeit und unterstützen die natürliche Reinigungsfunktion. Dieses Prinzip ist nicht neu – es wird seit Jahrhunderten in Gradierwerken und an der Meeresküste genutzt, wo die salzhaltige Luft ihre wohltuende Wirkung entfaltet.

Ein Stück Meeresluft für zu Hause

Die Sehnsucht nach dem Meer ist in den Wintermonaten besonders groß. Nicht nur wegen der Weite und des Lichts, sondern auch wegen der Luft. Wer schon einmal an der Nordsee oder Ostsee Urlaub gemacht hat, kennt das Gefühl: Das Atmen fällt leichter, die Nase ist frei, der ständige Räusperzwang verschwindet. Es ist die salzhaltige Luft, die diese Wirkung entfaltet.

Manche Menschen suchen diesen Effekt in Salzgrotten oder bei der klassischen Inhalation. Andere haben einen eleganteren Weg gefunden: Mini-Salinen für den Heimgebrauch. Diese kompakten Geräte arbeiten nach dem Prinzip eines Gradierwerks. Salzwasser rieselt über eine spezielle Struktur, verdunstet dabei und reichert die Raumluft mit feinen Salzpartikeln an. Ohne Strom, ohne Filter, ohne großen Aufwand.

Eine solche Mini-Saline ersetzt keine ärztliche Therapie. Aber sie kann den Alltag erleichtern – sanft, nebenbei, wie ein stiller Begleiter, der die Raumluft verbessert, während wir schlafen, arbeiten oder lesen. Besonders in den Wintermonaten, wenn draußen das Wetter verrücktspielt und drinnen die Heizung läuft, kann das einen spürbaren Unterschied machen.

Fazit: Den Atemwegen durch den Winter helfen

Der Januar 2026 stellt uns vor Herausforderungen. Das Wetter wechselt zwischen Tauwetter und Frost, die Heizungen laufen, die Luft ist trocken. Fünf Millionen Deutsche sind derzeit erkältet, und die Grippewelle hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. In dieser Situation lohnt es sich, den Blick nach innen zu richten – auf das Raumklima, das wir selbst gestalten können.

Unsere Schleimhäute leisten jeden Tag Schwerstarbeit. Sie filtern, befeuchten, wärmen, schützen. Doch sie brauchen die richtigen Bedingungen, um funktionieren zu können. Eine Luftfeuchtigkeit zwischen vierzig und sechzig Prozent, regelmäßiges Lüften, ausreichend Flüssigkeit – das sind die Grundlagen. Wer darüber hinaus etwas tun möchte, findet in salzhaltiger Luft einen Verbündeten, der seit Jahrhunderten seine Wirkung beweist.

Am Ende geht es nicht darum, das Wetter zu kontrollieren. Das können wir nicht. Aber wir können kontrollieren, was in unseren vier Wänden geschieht. Und das ist vielleicht der wichtigste Schutz, den wir unseren Atemwegen geben können – gerade jetzt, wenn draußen die Temperaturen Achterbahn fahren.