Die eindrucksvollsten Gradierwerke in Berlin-Brandenburg

Wer schon einmal an einem Gradierwerk gestanden hat, kennt den Moment: kühle, salzige Luft, ein feiner Nebel, ein Atemzug, der anders wirkt als sonst. In der Hauptstadtregion gibt es davon weniger als in Niedersachsen oder Sachsen-Anhalt, aber die vorhandenen Anlagen haben eigene Geschichten. Dieser Beitrag führt zu drei davon.

Luftbild von Berlin mit Fernsehturm, Spree und Rotem Rathaus

Das Prinzip in Kürze

Ein Gradierwerk ist eine Anlage zur Salzgewinnung. Sole, also salzhaltiges Wasser, wird über ein Holzgerüst mit Schwarzdornbündeln geleitet. Dabei vergrößert sich die Wasseroberfläche stark, ein Teil verdunstet, und die zurückbleibende Sole wird konzentrierter. Der historische Zweck war, beim anschließenden Sieden zu Kochsalz Brennholz zu sparen. Was bleibt, ist die salzhaltige Luft rund um die Anlage, und an den Zweigen selbst weiße Ablagerungen aus auskristallisiertem Kalk und Salz.

Bad Wilsnack: das einzige Gradierwerk Brandenburgs

Nahaufnahme von Schwarzdornzweigen eines Gradierwerks mit weißen Salzablagerungen

Bad Wilsnack liegt rund 110 Kilometer nordwestlich von Berlin in der Prignitz, mitten im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg. Der Ort war bis ins 16. Jahrhundert einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte Nordeuropas, davon zeugt die Wunderblutkirche St. Nikolai bis heute. Als Kurort etabliert wurde er erst später, 1929 erhielt Wilsnack den Titel „Bad".

Das Gradierwerk befindet sich innerhalb der Kristall Kur- und Gradier-Therme, eröffnet im Jahr 2000. Es ist als Mini-Gradierwerk unter einer Kuppel in den Salzsee integriert, der mit 24 Prozent Solegehalt als Besonderheit Brandenburgs gilt und schwereloses Treiben ermöglicht, ähnlich dem Toten Meer. Die Therme selbst umfasst mehrere Innenbecken mit unterschiedlicher Solekonzentration, acht Themensaunen und eine Mega-Sauna-Dom für bis zu 200 Personen. Der Besuch des Gradierwerks ist an den Eintritt in die Therme gebunden, anders als bei den frei zugänglichen Freiluftanlagen in Niedersachsen oder Sachsen-Anhalt.

Landhotel Burg im Spreewald: Gradierwerk im Biosphärenreservat

Etwa 100 Kilometer südöstlich von Berlin, im Ort Burg im Spreewald, betreibt das Landhotel Burg ein eigenes Gradierwerk als Teil seiner Wellnesslandschaft. Der Spreewald selbst ist UNESCO-Biosphärenreservat, geprägt von den charakteristischen Fließen, den kleinen Wasserläufen, auf denen die Region traditionell mit Kähnen erschlossen wird.

Das Hotel liegt im Ortsteil Burg-Kauper und verfügt über eine SPA-Landschaft mit mehreren Innen- und Außensaunen, einem ganzjährig beheizten Außenpool und einem Badehaus mit Hallenbad. Das Gradierwerk steht Hotelgästen zur Verfügung. Von Berlin aus ist der Ort über die A13 in rund einer Stunde erreichbar, mit der Bahn führt die Verbindung über Cottbus.

Fontane Therme Neuruppin: Gradierwerk am Ruppiner See

Rund 80 Kilometer nordwestlich von Berlin, direkt am Ruppiner See, liegt die Fontane Therme im Resort Mark Brandenburg. Sie gilt als die einzige staatlich anerkannte und zertifizierte Heilquelle Brandenburgs, gespeist aus einer Tiefe von 1.700 Metern.

Zur mehr als 5.000 Quadratmeter großen Wellnesslandschaft gehören mehrere Thermalwasserbecken, die schwimmende Seesauna auf dem Ruppiner See, gilt als größte ihrer Art in Deutschland, sieben weitere Saunen und eine Eisgrotte. Das Gradierwerk ist Teil dieser Saunalandschaft. Von Berlin aus ist Neuruppin mit dem Zug in gut einer Stunde erreichbar.

Fazit

Anders als in Niedersachsen oder Sachsen-Anhalt gibt es in der Region Berlin-Brandenburg kein historisches, frei zugängliches Freiluft-Gradierwerk im großen Maßstab. Stattdessen finden sich drei kleinere, in Thermen und Hotels integrierte Anlagen: das einzige echte Gradierwerk Brandenburgs in Bad Wilsnack, dazu die hoteleigenen Anlagen in Burg im Spreewald und am Ruppiner See. Alle drei sind an einen Thermen- oder Hotelbesuch gebunden, alle drei liegen in Tagesausflugsentfernung von Berlin.

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